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Landesversammlung: Positionierung für Stärkung Ehrenamt und Verbesserungen im Rettungsdienst

110 Delegierte aus den 39 sächsischen DRK-Kreisverbänden und -Gemeinschaften fanden sich am 25.11. ab 9.00 Uhr in der Landesärztekammer in Dresden zum höchsten Beschlussorgan des DRK in Sachsen ein. Die Landesversammlung ist das wichtigste Instrument zur Kontrolle und Mitbestimmung für die ehrenamtlichen Mitglieder.

Die Spuren des Sternartikels über das vermeintliche „scheinheilige Imperium“ DRK sowie der Streik im Rettungsdienst belasten zurzeit die Stimmung zahlreicher Rotkreuzler in Sachsen, so auch einiger Landesdelegierter. Es bestand also dringender Bedarf die brennenden Themen während der Versammlung anzusprechen und intensiv zu behandeln. 

 

DRK-Blutspendedienst – Erwirtschaftetes Geld als Grundlage für Spitzenforschung gegen Krebs

Professor Torsten Tonn vom DRK Blutspendedienst machte den Anfang. In dem Artikel des Magazins "Stern" wurde er hart angegriffen. Was mit dem Geld aus der Abnahme und Verarbeitung von Blut Sinnvolles geleistet wird, reflektierte der Artikel aber nicht. Professor Tonn setzte hier einen Kontrapunkt und zeigte eindrucksvoll, wie wichtig die Forschung zur Transfusionsmedizin ist. Er und sein Team vom DRK-Blutspendedienst und der TU Dresden arbeiten intensiv an der Bekämpfung unterschiedlichster Krebsarten. Ganz aktuell wird ab den Sommer 2018 eine neue Therapie an Patienten erprobt werden können. Nach diesen innovativen Verfahren werden auf die totbringenden Tumore gezielt Killerzellen losgelassen. Diese Zellen sind künstlich gezüchtet und sie bekämpfen ihr Antigen, also die den Organismus schädigenden Krebszellen. Versuche bei Mäusen haben gezeigt, dass der Krankheitsverlauf nicht nur verlangsamt werden konnten, sondern eine vollständige Heilung einsetzte. Spitzenforschung dank Blutspende!

 

Präsident Löser – Rechenschaftsbericht und Herausforderungen

Präsident Holger Löser ging in seinem Rechenschaftsbericht auf die Herausforderungen des vergangenen Jahres ein. Die Erinnerung an die Leistung des Roten Kreuzes in der Flüchtlingskrise von 2015/16 ist schon teilweise verblasst. Sowohl bei den Helfern selbst, wie auch in Politik und Verwaltung. Die tägliche Arbeit der ehrenamtlichen wie hauptamtlichen Kameradinnen und Kameraden verlangt höchste Konzentration und fortlaufenden Einsatz. Von der Qualität dieser Arbeit konnte sich jeder in Sachsen selbst überzeugen, ob bei Hochwasser, Evakuierungen oder eben bei der Flüchtlingskrise. Es war daher auch richtig, so Präsident Löser, dass wir bei der Ausschreibung von Flüchtlingsunterkünften nicht von unseren Standards abgewichen sind. Wenn „der Preis das Maß aller Dinge ist“ dann „wird die soziale Komponente immer mehr verdrängt“, kritisierte Löser. Nicht anderes ist es beim Rettungsdienst.

 

Vorstand Unger – problematische Ausschreibe- und Vergabepraxis im Rettungsdienst

Auf die problematischen Verhältnisse im Rettungsdienst ging Vorstandsvorsitzender, Rüdiger Unger, in seinem Bericht ein. „Wie sieht das Ergebnis nach sechs Jahren Ausschreibungspraxis aus?“ Die Antwort darauf lieferte er gleich mit, und sprach damit vielen Delegierten aus der Seele: „ Für den Rettungsdienst ist diese Ausschreibe- und Vergabepraxis ein Bärendienst gewesen und hat einen Vertrauensschaden hinterlassen.“ Zum Ersten wurde die gemeinsame Arbeitsbasis der nun konkurrierenden Hilfsorganisationen beschädigt. Zum Zweiten ist das Vertrauen zwischen den Kommunen und den Leistungserbringern im Rettungsdienst stark in Mittleidenschaft gezogen worden, und zum Dritten leidet das Verhältnis zu den Mitarbeitern darunter sehr. „Wie soll so eine Mitarbeiterbindung hergestellt werden, welche auch dem Ehrenamt der Hilfsorganisation zu Gute kommt“, fragte Rüdiger Unger „wenn Mitarbeiter wissen, dass sie im Zweifel aller fünf Jahre für einen anderen privaten oder gemeinnützigen Leistungserbringer fahren? Sie fühlen sich wie Stück-oder Handelsware, die von einem Arbeitgeber zum nächsten transferiert werden können.“

Eine Forderung war daher, dass das Rote Kreuz in Sachsen den Behörden deutlicher machen muss, wo die Grenzen des Erträglichen sind und welche Erwartungen an die Politik gestellt werden. Zwei Initiativen für den Rettungsdienst und das Ehrenamt sind aus dieser Einsicht in den letzten Wochen bereits entstanden.

  • Zum Ersten hat man sich mit allen privaten wie gemeinnützigen Leistungserbringern in Sachsen über ein gemeinsames Positionspapier verständigt, was die ärgsten Auswüchse im Rettungsdienst benennt und Lösungsansätze aufzeigt.
  • Zum Zweiten wurden die Lösungsansätze mit weiteren Kernforderungen im Bereich Ehrenamtsstärkung und Bürokratieabbau an die CDU in Sachsen übergeben. 

Mit beiden Maßnahmen konnte das DRK Bewegung in den Köpfen der Verantwortlichen erzeugen und sich als verlässlicher Partner und Berater für das Gemeinwohl in Sachsen stark machen. Die Intensität der gemeinsamen Arbeit in diesen Fragen muss aufrechterhalten, wenn nicht sogar deutlich erhöht werden, damit aus diesen Initiativen auch tatsächlich neue Impulse für die politischen Gestaltungsspielräume erwachsen.

Den Delegierten wurde deutlich, dass das Deutsche Rote Kreuz in Sachsen dicke Bretter bohren muss.

28. November 2017 12:50 Uhr. Alter: 14 Tage