
Experteninterview: Sicher baden im Sommer – Wasserwacht Sachsen gibt wichtige Tipps
Mit den Sommerferien und steigenden Temperaturen zieht es viele Menschen an Badeseen. Doch längst nicht alle Badegewässer werden von Rettungsschwimmern überwacht. Worauf sollten Badegäste achten? Welche Gefahren werden häufig unterschätzt? Und was können Eltern tun, um ihre Kinder zu schützen?
Darüber haben wir mit Joachim Weiß, Landesreferent der Wasserwacht Sachsen, gesprochen.
Herr Weiß, viele Badeseen in Sachsen werden nicht von Rettungsschwimmern überwacht. Woran liegt das?
Joachim Weiß: Natürlich würden wir uns wünschen, möglichst viele Badegewässer absichern zu können. In der Realität ist das jedoch nicht überall möglich. Die Verantwortung für öffentliche Badestellen liegt oft bei Städten, Gemeinden oder bei Zweckverbänden oder Eigenbetrieben. Dort spielen finanzielle und organisatorische Fragen eine wichtige Rolle.
Man muss natürlich abwägen, wo eine Bewachung besonders sinnvoll ist. Dort, wo viele Menschen baden oder Wassersport treiben, sollte aus unserer Sicht jedoch eine entsprechende Absicherung selbstverständlich sein.
Wird sich diese Situation in den Sommerferien kurzfristig verbessern?
Joachim Weiß: Nein, kurzfristig wird sich daran leider nichts ändern. Deshalb empfehlen wir allen Badegästen, möglichst bewachte Badestellen aufzusuchen. Dort ist die Sicherheit deutlich höher, weil Rettungsschwimmer im Notfall sofort eingreifen können.
Was müsste passieren, damit künftig mehr Badeseen bewacht werden können?
Joachim Weiß: Dafür braucht es vor allem die richtigen Rahmenbedingungen. Wenn eine Kommune einen Badesee absichern möchte, benötigt sie beispielsweise einen starken Partner wie die Wasserwacht, welche über qualifizierte Retter verfügt, eine Wachstation, also geeignete Räumlichkeiten und entsprechende Rettungsausrüstung.
Je nach Größe des Gewässers gehören dazu auch Rettungsboote, kleinere Wasserfahrzeuge oder Wachtürme. Unsere Rettungsschwimmer arbeiten zwar ehrenamtlich, doch die gesamte Infrastruktur verursacht Kosten.
Wie könnte eine solche Wasserrettung finanziert werden?
Joachim Weiß: Dafür gibt es verschiedene Modelle. Manche Gemeinden finanzieren die Wasserrettung teils über Parkgebühren, andere über Kurtaxen oder Gästekarten. Auch Eintrittsgelder an Badestellen können dazu beitragen, den Wachdienst dauerhaft zu finanzieren.
Gerade dort, wo der Tourismus wächst, sollte auch die Sicherheit entsprechend mitwachsen.
Welche Badeseen erwarten Sie in diesem Sommer besonders stark besucht?
Joachim Weiß: Besonders gefragt werden wieder die großen Seenlandschaften rund um Leipzig sowie die Seen in der Oberlausitz sein. Diese Regionen entwickeln sich zunehmend zu beliebten Ausflugs- und Urlaubszielen.
Welche Verantwortung tragen Eltern an unbewachten Badeseen?
Joachim Weiß: Eltern haben grundsätzlich immer die Aufsichtspflicht über ihre Kinder. An unbewachten Badestellen ist diese Verantwortung natürlich noch größer. Deshalb empfehlen wir ausdrücklich, wenn möglich bewachte Badestellen zu nutzen.
Was sollten Familien beim Baden besonders beachten?
Joachim Weiß: Die wichtigsten Baderegeln gelten eigentlich für alle Altersgruppen:
Außerdem beobachten wir, dass Stand-up-Paddling immer beliebter wird. Auch dafür gibt es Sicherheitsregeln. Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte auf geeignete Ausrüstung achten und sich vorab informieren.
Gilt die Empfehlung „Nicht alleine baden“ nur für Kinder?
Joachim Weiß: Nein, ganz im Gegenteil. Diese Regel gilt für alle. Wer alleine schwimmen geht und plötzlich gesundheitliche Probleme bekommt oder untergeht, hat oft niemanden, der Hilfe holen kann.
Deshalb sollte grundsätzlich niemand alleine ins Wasser gehen.
Warum ist das langsame Abkühlen vor dem Baden so wichtig?
Joachim Weiß: Gerade an heißen Sommertagen sollte man niemals mit erhitztem Körper direkt ins Wasser springen. Besser ist es, zunächst Beine und Arme abzukühlen und den Oberkörper mit Wasser zu benetzen. So kann sich der Kreislauf langsam an die Temperatur anpassen.
Das gilt übrigens nicht nur für Kinder, sondern genauso für Erwachsene.
Welche Gefahren werden an Badeseen häufig unterschätzt?
Joachim Weiß: Viele Gefahren sind unter Wasser nicht sichtbar. Dazu gehören beispielsweise Baumstümpfe, Glasscherben oder scharfkantige Steine – insbesondere an ehemaligen Tagebauseen.
Auch kalte Unterwasserströmungen können gefährlich werden. Deshalb sollte man niemals kopfüber in unbekannte Gewässer springen.
Welche Baderegeln sind aus Ihrer Sicht besonders wichtig?
Joachim Weiß: Die zehn Baderegeln der Wasserwacht und der DLRG bieten eine gute Orientierung. Besonders wichtig sind aus meiner Sicht:
Herr Weiß, vielen Dank für das Gespräch.
Joachim Weiß: Sehr gern. Ich wünsche allen einen schönen und vor allem sicheren Sommer am Wasser.
Hier gibt es die Broschüre mit Baderegeln der Wasserwacht.
Hier gibt es die Sicherheitsregeln Stand-Up-Paddling (SUP)