Der letzte Hüttendienst der Saison für die DRK-Bergwacht in der Sächsischen Schweiz ist vorbei. Über 160 Einsätze sind ein neuer Rekord, und 340.000 Euro Spenden sind eine überwältigende Unterstützung. Ein Rückblick auf eine besondere Saison.
Am vergangenen Wochenende waren die Bergrettungswachen im Bielatal und in Rathen letztmalig in dieser Saison planmäßig besetzt. Während die Bergwacht Sebnitz im Bielatal keine Alarmierung verzeichnete, wurden die sieben diensthabenden Bergretter der Bergwacht Dresden am Sonntag um 11:47 Uhr zu einem Einsatz im Niederen Saugrund gerufen.
Eine 62-jährige Wanderin war im Bereich des ehemaligen Waldbrandgebietes umgeknickt und hatte sich dabei vermutlich eine Sprunggelenksverletzung zugezogen. Der Rettungshubschrauber Christoph 62 brachte per Rettungswinde eine Notärztin zur Einsatzstelle, die gemeinsam mit einer Ärztin der Bergwacht die medizinische Versorgung übernahm. Anschließend transportierten die Bergretter die Patientin mit der Gebirgstrage rund 70 Meter bergab bis zum Neuweg, wo sie an den Rettungswagen übergeben wurde. Bilder zu dem Einsatz finden Sie hier: 2026-11-02 - Bergwacht - Hüttendienstwochenende – Google Drive, Quelle DRK Bergwacht Sachsen.
Es kann auch die Bergwacht selbst treffen
Am 8. November 2026 sind 100 Tage vergangen, seit ein schweres Unwetter Teile der Sächsischen Schweiz verwüstete. Die Einsatzkräfte der DRK-Bergwacht machten sich an diesem Tag auf die Suche nach Betroffenen des Unwetters und versorgten Verletzte. Dabei ahnten sie nicht, dass währenddessen einer ihrer zentralen Stützpunkte selbst schwer getroffen wurde.
Als Ausgangspunkt für Einsätze in der Sächsischen Schweiz ist die Hütte der DRK-Bergwacht in Rathen mehr als nur ein Gebäude. Seit den 1960er-Jahren brechen von hier ehrenamtliche Bergretterinnen und Bergretter auf, um Menschen in Not zu helfen. Infolge der unwetterbedingten Schäden an der Hütte in Rathen musste die Einsatzfähigkeit der ehrenamtlichen Bergretterinnen und Bergretter gesichert werden. So zog die DRK-Bergwacht in das Gemeindehaus, das der Kurort Rathen kurzerhand und unbürokratisch zur Verfügung stellte.
Sanierung und Modernisierung sichern Einsatzfähigkeit
Das Unwetter traf die DRK-Bergwachthütte schwer und machte zugleich sichtbar, was schon lange notwendig ist: Während die Schäden am Dach der Hütte durch die Versicherung gedeckt sind, ist auch eine Modernisierung der in die Jahre gekommenen Hütte unumgänglich. Es werden zwei getrennte und größere Sanitärbereiche benötigt, damit es unmittelbar vor Einsätzen nicht zu Engpässen kommt. Zudem muss die Hütte eine Schlafkapazität für bis zu zehn Personen bieten und künftig über eine zeitgemäße Küche, Ess- und Aufenthaltsbereiche verfügen.
Bis Ende Oktober sind bereits 340.000 Euro an Spendengeldern für die DRK-Bergwacht in Sachsen zusammengekommen. Über 740 Personen haben dabei z. B. über betterplace.org gespendet. Eine Einzelspende einer rüstigen Kletterfreundin brachte die unglaubliche Summe von fast 200.000 Euro ein. Auch die Radeberger Exportbierbrauerei beteiligte sich mit stolzen 55.000 Euro, genauso wie die Volksbank Pirna e.G. mit 15.000 Euro oder einzelne Sektionen des Deutschen Alpenvereins. Hinzu kamen weitere Spenderinnen und Spender, die z. B. auf der Festung Königstein, dem Hochseilgarten Moritzburg oder auf der Elbfähre die Spendendosen für die Bergwacht füllten.
Hannes Markert, Landesleiter der DRK-Bergwacht in Sachsen: „Ich bin unendlich dankbar für die unglaubliche Summe, die gespendet worden ist. Dies stellt ein starkes Zeichen der Anerkennung für den Einsatz der ehrenamtlichen Bergretterinnen und Bergretter dar. Keine Worte können unsere Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Dieser Rückenwind wird uns tragen, um mit vollem Einsatz für alle Natur- und Bergfreunde da sein zu können.“
Mit dieser Summe wird jetzt die Sanierung und der Ausbau der Hütte in Rathen begonnen. Die Wiedereröffnung soll zum Saisonbeginn an Ostern 2027 erfolgen; der Ausbau der traditionsreichen Hütte zu einem sachsenweiten Ausbildungsstützpunkt für die Bergwacht wird dann über die kommenden Jahre erfolgen. Zum letzten Dienst wurde von der DRK-Bergwacht auch ein Dankesbild für die Unterstützung aufgenommen, das Sie gern veröffentlichen können: 2026-11-02 - Bergwacht - Hüttendienstwochenende – Google Drive, Quelle DRK Bergwacht Sachsen.
Eine ereignisreiche Saison geht zu Ende
Egal, ob die Rettung eines 90 Meter in die Tiefe gestürzten jungen Mannes oder die Wiederbeschaffung eines unter die Basteibrücke gefallenen Handys: Die Ehrenamtlichen der DRK-Bergwacht rückten bisher insgesamt 162-mal zu Einsätzen aus. Auch wenn die Zahlen bisher nur vorläufig sind, zeichnet sich ab, dass die Saison 2026 einen neuen Einsatzrekord darstellt.
Die vorläufigen Einsatzzahlen 2026 der DRK-Bergwacht Sachsen im Abschnitt Sächsische Schweiz:
Jahr | Einsätze gesamt | Klettern | Wandern | sonstige Einsätze |
2026 | 162 | 17 | 84 | 61 |
2025 | 147 | 18 | 99 | 26 |
2024 | 148 | 15 | 85 | 41 |
2023 | 160 | 18 | 92 | 45 |
2022 | 133 | 12 | 60 | 61 |
2021 | 131 | 35 | 75 | 16 |
2020 | 120 | 18 | 82 | 20 |
2019 | 115 | 20 | 53 | 41 |
Trotz des Unwetterschadens konnten insgesamt 45 Einsätze aus Rathen absolviert werden. Die Hüttenbereitschaft im Bielatal war bis Oktober 32-mal gefordert. Mit 34 Alarmierungen war der Mai der einsatzstärkste Monat, gefolgt vom Juli mit 28 Einsätzen in der Sächsischen Schweiz.
Die Wander- und Klettersaison startet in der Sächsischen Schweiz traditionell an Ostern. Doch auch vor dem Osterfest geraten Menschen in der Region in Notlagen. In diesem Fall rücken Alarmgruppen aus, die sich auch innerhalb der Saison einsatzbereit halten, wenn die Hütte nicht besetzt ist. 55 % aller Einsätze in der Sächsischen Schweiz wurden in diesem Jahr von den DRK-Alarmgruppen absolviert. Das Durchschnittsalter der in Not geratenen Menschen lag bei 53 Jahren.
Die Bergretterinnen und Bergretter, die in der Sächsischen Schweiz Dienst leisten, kommen aus Bad Schandau, Bautzen, Dresden, Großenhain, Pirna und Sebnitz. Die Koordination übernimmt der DRK-Kreisverband Sebnitz e.V. für den gesamten Einsatzabschnitt.
Die Vorbereitungen der neuen Saison laufen
Um an Ostern 2027 einsatzbereit und sicher in die neue Saison starten zu können, haben die Arbeiten an der DRK-Bergwachthütte in Rathen begonnen. Zurzeit wird das Dach der Hütte instand gesetzt. Weitere Ausbauten erfolgen gegebenenfalls nachgelagert. So soll die DRK-Bergwachthütte in Rathen gleich zu Beginn der Wander- und Klettersaison 2027 wieder besetzt werden können.
In der Sächsischen Schweiz steht am Wochenende die Eröffnung der Wintersaison an, bei der in diesem Jahr auch Ehrenamtliche der DRK-Bergwacht zu treffen sind. Im „Haus Maja“ in Rathen sind am Wochenende des 7./8. Novembers 2026 Bergwächterinnen und Bergwächter vor Ort, um ihre Arbeit in der Region vorzustellen und mit Interessierten ins Gespräch zu kommen. Selbstverständlich wird es vor Ort auch die Möglichkeit einer Spende geben.
Für weitere Informationen und Anfragen wenden Sie sich bitte an:
DRK Landesverband Sachsen e.V.
Dr. Kai Kranich
E-Mail: k.kranich(at)drksachsen(dot)de