Ende Februar erschien auf den Social-Media-Kanälen der Bergwacht Sachsen ein Einsatzbericht über einen Unfall an der Basteibrücke. Ein Mann war etwa 15 Meter abgestürzt, nachdem er versucht hatte, sein heruntergefallenes Handy zu bergen.
Der Einsatzbericht wurde über Facebook und Instagram hinweg inzwischen rund 240.000-mal gesehen.
Viele innerhalb der Bergwacht wissen das vermutlich gar nicht – und hätten Interesse in dieser Größenordnung vielleicht auch nicht erwartet. Das Beispiel zeigt jedoch sehr deutlich, welche Reichweiten Beiträge heute über soziale Medien entwickeln können. Inhalte aus dem Einsatzalltag der Bergwacht erreichen dort längst nicht mehr nur die eigene Community, sondern häufig auch eine sehr große Öffentlichkeit.
Seit etwa einem Jahr nutzt die Bergwacht Sachsen die Kanäle Facebook und Instagram deutlich intensiver als zuvor. Der Beitrag von der Basteibrücke macht deutlich, welche Rolle soziale Medien inzwischen in der Öffentlichkeitsarbeit der Bergwacht spielen.
Ein anderes gutes Beispiel ist ein Bericht über ein medizinisches Ausbildungswochenende der Bergwacht Dresden, der Anfang März veröffentlicht wurde. Dieser Beitrag wurde über Facebook und Instagram hinweg inzwischen rund 10.000-mal gesehen.
Für einen kurzen Bericht über eine interne Ausbildungsmaßnahme ist das bereits eine bemerkenswerte Reichweite. Mit einem guten Foto und einem kurzen Text konnten innerhalb kurzer Zeit mehrere tausend Menschen erfahren, wie intensiv sich die Einsatzkräfte der Bergwacht auf ihre Aufgaben vorbereiten. Eine solche Aufmerksamkeit für Ausbildungsarbeit zu erreichen, wäre über klassische Wege der Öffentlichkeitsarbeit nahezu unmöglich.
Interessant ist auch ein Blick auf die Zusammensetzung der medial erreichten Menschen: Etwa 40 % der Aufrufe stammen von Personen, die den Kanälen der Bergwacht Sachsen bereits folgen. Die verbleibenden 60 % kommen von Nutzerinnen und Nutzern, die der Bergwacht gar nicht folgen und denen der Beitrag über die Algorithmen der Plattformen vorgeschlagen wurde. Wir erreichen damit also sehr viele Menschen außerhalb unserer „Bergwacht-Blase“.
Ganz anders sieht es bei dem Beitrag über den Einsatz an der Basteibrücke aus. Dieser Beitrag wurde über beide Kanäle hinweg inzwischen rund 240.000-mal gesehen. Bemerkenswert dabei: Nur etwa fünf Prozent dieser Aufrufe stammen von Nutzerinnen und Nutzern, die den Kanälen der Bergwacht Sachsen folgen. Über 95 % der erreichten Personen haben offenbar keinen direkten Bezug zur Bergwacht.
Der Beitrag hat damit eine sehr große Öffentlichkeit erreicht – Menschen, die sonst vermutlich nie gezielt nach Informationen über die Bergwacht suchen würden.
Diese Beispiele zeigen sehr anschaulich, welche Reichweiten Beiträge über soziale Medien entwickeln können. Gleichzeitig gibt es noch einen anderen Aspekt, der gesehen werden muss: Ein großer Teil unserer eigenen Mitglieder sieht diese Beiträge gar nicht.
Bei einer Informationsveranstaltung zum Thema Öffentlichkeitsarbeit bei der Bergwacht Dresden im Februar dieses Jahres wurde genau darüber diskutiert. Dabei zeigte sich, dass nur etwa ein Drittel der Anwesenden überhaupt auf Plattformen wie Facebook oder Instagram aktiv ist. Rund zwei Drittel nutzen diese Kanäle gar nicht – und bekommen deshalb auch die dort veröffentlichten Beiträge nicht mit.
Das war in dieser Größenordnung überraschend, aber dennoch nachvollziehbar und es ist auch kein Problem. Soziale Medien sind kein verpflichtender Bestandteil des Bergwacht-Alltags und niemand muss dort aktiv sein. Das ist und bleibt eine rein private Entscheidung. Wichtig ist nur zu verstehen, welchen Zweck diese Kanäle für die Bergwacht erfüllen.
Denn Social Media ist kein interner Kommunikationskanal der Bergwacht. Die Beiträge richten sich in erster Linie an die Öffentlichkeit: an Menschen, die draußen unterwegs sind, an Bergsportbegeisterte, an Interessierte aus der Region oder auch an Personen, die zufällig auf einen Beitrag aufmerksam werden.
Für viele von ihnen ist es oft der erste oder auch einzige Kontakt mit der Bergwacht überhaupt. Sie sehen dort, welche Einsätze stattfinden, wie viel Ausbildung hinter der Arbeit steht und dass diese Aufgabe ausschließlich ehrenamtlich getragen wird.
Genau darin liegt der eigentliche Wert dieser Form der Öffentlichkeitsarbeit: Sie macht sichtbar, was alle Bergretterinnen und Bergretter das ganze Jahr über leisten – oft an Orten und in Situationen, die die meisten Menschen sonst nie wahrnehmen würden.
Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit ist für die Bergwacht jedoch nicht nur eine Frage der Information, sondern auch eine wichtige Grundlage für Unterstützung und Zusammenarbeit. Als ehrenamtlich getragene Organisation ist die Bergwacht in vielen Bereichen darauf angewiesen, neben den regulären Strukturen auch Partner und Unterstützer zu gewinnen.
Kooperationen, Förderprojekte oder Sponsoring entstehen häufig dort, wo Organisationen wahrgenommen werden und ihre Arbeit nachvollziehbar wird. Wer sieht, was die Bergwacht leistet, versteht auch besser, warum diese Arbeit Unterstützung verdient.
Ein aktuelles Beispiel dafür ist eine Kooperation mit der Navigations- und Outdoor-App Mapy.cz. Das Unternehmen ist auf die Bergwacht Sachsen aufmerksam geworden und unterstützt die Arbeit der Bergwacht im Rahmen eines gemeinsamen Projekts. Solche Partnerschaften entstehen nicht zufällig – sie sind auch das Ergebnis davon, dass die Bergwacht ihre Arbeit sichtbar macht und Einblicke in ihre Tätigkeit gibt.
Gleichzeitig bringt diese Form der Öffentlichkeitsarbeit auch eine Herausforderung mit sich. Beiträge in sozialen Medien müssen Aufmerksamkeit erzeugen, damit sie überhaupt wahrgenommen werden. Bevor jemand einen Text lesen kann, muss er oder sie zunächst einmal darauf aufmerksam werden.
Das führt zwangsläufig dazu, dass Überschriften oder Bilder manchmal stärker zugespitzt sind, als man es aus klassischen Mitteilungen oder internen Berichten gewohnt ist. Genau darin liegt auch ein Teil der Dynamik sozialer Medien: Inhalte konkurrieren ständig mit vielen anderen Informationen um Aufmerksamkeit.
Auch innerhalb der Bergwacht wird diese Entwicklung unterschiedlich gesehen. Manche begrüßen die größere Sichtbarkeit der Arbeit, andere stehen der Art der Darstellung eher kritisch gegenüber. Beide Perspektiven sind nachvollziehbar.
Die Bergwacht Sachsen bewegt sich hier bewusst in einer Bandbreite. Manche Beiträge sind sehr sachlich und berichten zum Beispiel über Ausbildungsmaßnahmen oder Veranstaltungen. Andere greifen besondere Einsätze oder Aktionen stärker auf, weil sie ein größeres öffentliches Interesse wecken.
Das Finden der richtigen Balance zwischen Aufmerksamkeit, Information und Sachlichkeit ist ein Prozess, der sich mit der Zeit weiterentwickelt. Die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr zeigen jedoch, dass es sinnvoll ist, diese Möglichkeiten zu nutzen und gleichzeitig aufmerksam zu beobachten, welche Formen der Darstellung für die Bergwacht gut passen.
Nach knapp einem Jahr intensiverer Nutzung der sozialen Medien lässt sich bereits ein erstes Fazit ziehen. Mit vergleichsweise geringem Aufwand konnten viele Menschen erreicht werden – weit über den Kreis der eigenen Mitglieder hinaus. Tausende Menschen erhalten so Einblicke in Ausbildung, Einsätze und die tägliche Arbeit der Bergwacht.
Gleichzeitig zeigt sich, dass soziale Medien nur ein Baustein der Öffentlichkeitsarbeit sind. Neben klassischen Pressemitteilungen, Veröffentlichungen, Veranstaltungen und der Webseiten des DRK und der Bergwacht Sachsen bieten sie eine zusätzliche Möglichkeit, die Arbeit der Bergwacht sichtbar zu machen und Verständnis für diese Aufgabe zu schaffen.
Die Erfahrungen der vergangenen Monate sind daher vor allem eine Einladung, diesen Weg gemeinsam weiterzuentwickeln. Gute Öffentlichkeitsarbeit lebt von Bildern, kurzen Berichten und Eindrücken aus der Praxis – also genau von dem, was täglich in den Bergwachten vor Ort geschieht.
Mitmachen in der Öffentlichkeitsarbeit
Deshalb richtet sich an dieser Stelle auch ein ausdrücklicher Aufruf an alle, die Interesse an diesem Thema haben: Wer Freude an Fotografie, am Schreiben kurzer Texte, an Social Media oder generell an Öffentlichkeitsarbeit hat und sich vorstellen kann, diesen Bereich künftig zu unterstützen, ist herzlich eingeladen, sich einzubringen.
Auch kleine Beiträge können helfen, die Arbeit der Bergwacht sichtbar zu machen und vielen Menschen zu zeigen, was hinter diesem Ehrenamt steht.
Für Fragen, Anregungen oder einfach zur kurzen Kontaktaufnahme steht die zentrale Adresse
kommunikation@bergwacht-sachsen.de
zur Verfügung.
Über diese Adresse können sich alle melden, die Ideen haben, Hinweise geben möchten oder Interesse an einer Mitarbeit im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Social Media haben.
Je mehr Menschen sich mit ihren Perspektiven und Erfahrungen einbringen, desto lebendiger und authentischer kann die Bergwacht Sachsen ihre Arbeit nach außen darstellen.
Mit kameradschaftlichen Grüßen
Peter Wolf
DRK-Bergwacht Pirna
Verantwortlich für die Social-Media-Kanäle der Bergwacht Sachsen
im Auftrag der Landesleitung Bergwacht Sachsen
Links zu denen im Text genannten Beiträgen:
Einsatzbericht Basteibrücke (Facebook)
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Beitrag über das medizinische Ausbildungswochenende der Bergwacht Dresden (Facebook)
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