Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege appelliert daher an die Fraktionen im Sächsischen Landtag, die im Entwurf enthaltende finanzielle Ausstattung der Suchtberatungsstellen beizubehalten und damit als unverzichtbaren Bestandteil sozialer Infrastruktur abzusichern. Genauso richtet sich der Appell an die kommunale Ebene, den eigenen Finanzierungsanteilen ebenso aufrecht zu erhalten.
Die Arbeit der ambulanten Suchthilfe und Suchtprävention im Freistaat reicht weit über akute Krisenintervention hinaus: Sie verhindert Chronifizierungen, stabilisiert Familien, unterstützt die Rückkehr in Arbeit und entlastet Gesundheits-, Sozial- und Justizsystem.
Allein 2025 wurden in Sachsen rund 24.800 ambulante Betreuungsfälle in Suchtberatungsstellen begleitet; hinzu kamen etwa 1.700 suchtspezifische Hilfen im Justizvollzug. Gleichzeitig verschärft sich die Lage: Sachsen liegt bundesweit bei alkoholverursachten Todesfällen auf einem der vorderen Plätze, die Zahl der Drogentoten steigt, und auch problematischer Medienkonsum betrifft zunehmend Familien.
„Suchthilfe ist kein nachgelagertes Reparatursystem, sondern wirksame Prävention und gesellschaftliche Stabilisierung“, so Bauer. „Wer hier kürzt, spart nicht, sondern verlagert Probleme in deutlich teurere Hilfesysteme. Wirtschaft wächst mit Wohlfahrt. Das gilt gerade dort, wo soziale Arbeit Menschen befähigt, gesund zu bleiben, Arbeit aufzunehmen und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.“
Studien zum gesellschaftlichen Nutzen ambulanter Suchtberatung zeigen: Jeder investierte Euro spart Folgekosten in Höhe von 17 bis 28 Euro – etwa durch geringere Gesundheitskosten, weniger Arbeitsausfälle, weniger Jugendhilfemaßnahmen und weniger Frühverrentungen.
Beate Drowatzky, Referentin Sucht- und Wohnungsnotfallhilfe beim Caritasverband für das Bistum Dresden-Meißen e.V., betont: „Sucht betrifft nie nur einzelne Menschen. Sie betrifft Familien, Kinder, Betriebe und ganze Sozialräume. Beratung ermöglicht frühzeitig Hilfe und trägt dazu bei, dass Krisen nicht eskalieren.“
Die Liga warnt davor, bestehende Versorgungsstrukturen auszudünnen. Der angestrebte Versorgungsschlüssel von einer Suchtberatungsstelle pro 20.000 Einwohner wird derzeit nur in drei Regionen Sachsens erreicht.
Über die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen:
Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen ist der Zusammenschluss der sieben Spitzenverbände der Freien Wohlfahrt im Freistaat. Dazu gehören die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die Caritasverbände Dresden-Meißen und Görlitz, die Diakonie, das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Paritätische sowie der Landesverband der Jüdischen Gemeinden. Mit rund 110.000 Beschäftigten und etwa 30.000 ehrenamtlich Engagierten sichern ihre Einrichtungen und Dienste wesentliche Teile der sozialen Infrastruktur – von Kitas über Pflege bis hin zu Beratungsangeboten. Der Vorsitz der Liga liegt 2026/2027 bei der Diakonie Sachsen.
Hinweis für Medien:
Das vollständige Factsheet „Sucht und Suchtprävention“ finden Sie unter Kampagne zum Doppelhaushalt 2027/2028
Für weitere Informationen und Anfragen wenden Sie sich bitte an:
DRK Landesverband Sachsen e.V.
Dr. Kai Kranich
E-Mail: k.kranich(at)drksachsen(dot)de
