„Mit dem Fackellauf würdigen wir das Engagement von mehr als 28.000 ehren- und hauptamtlichen Mitgliedern des Roten Kreuzes in Sachsen“, sagt Dr. Nicole Porzig, Vorstandsvorsitzende des DRK-Landesverbandes Sachsen. „Gleichzeitig erinnern wir an die humanitären Grundsätze der Menschlichkeit und Unparteilichkeit – Werte, die Marie Simon bereits 1866 auf dem Schlachtfeld von Königgrätz gelebt hat.“
Die aus der Lausitz stammende Sorbin gilt als eine der Pionierinnen der internationalen Rotkreuzbewegung. Nach der Schlacht versorgte sie sieben Wochen lang verwundete Soldaten, unabhängig von Herkunft und Staatsangehörigkeit.
„Insbesondere vor dem Hintergrund des vierten Jahrestages des bewaffneten Konflikts in der Ukraine erinnern wir daran, wie wichtig die Einhaltung des humanitären Völkerrechts bleibt“, so Porzig.
In der Zeit vom 24. Februar bis zum 5. März wird die leuchtende Fackel im Staffellauf über Tschechien quer durch Sachsen weitergereicht. Um das „Licht der Hoffnung und Menschlichkeit“ auf eine besondere Reise zu schicken, beteiligen sich zahlreiche Rotkreuz-Mitglieder aus Tschechien und Sachsen mit symbolischen Fackelübergaben, kreativen Transportmöglichkeiten und eindrucksvollen Aktionen.
Zu den Höhepunkten zählen in diesem Jahr das gemeinsame Entzünden der Fackel mit dem Tschechischen Roten Kreuz in Königgrätz (Hradec Králové) sowie der neunstündige Lauf des DRK-Mitglieds Mattes Brähmig vom Renaissanceschloss Schönfeld zum Geburtsort von Marie Simon nach Doberschau am 26. Februar. Darüber hinaus beteiligen sich auch die Wasserwacht, das Jugendrotkreuz, die Wohlfahrts- und Sozialarbeit, die Bereitschaften sowie die Bergwacht an einzelnen Übergaben.
Die Route führt von Königgrätz (Hradec Králové) über Nordböhmen nach Sachsen über Sebnitz, Pirna, Doberschau, Dresden, Geithain, Leipzig, Wurzen, Riesa, Großenhain, Freiberg, Rochlitz und Zwickau bis zur Übergabe an den DRK Landesverband Thüringen in Altenburg.
Hintergrund
Im Jahr 1859 reiste der Schweizer Geschäftsmann Henry Dunant durch Italien. Dabei wurde er Zeuge der Folgen der Schlacht von Solferino, einer der größten militärischen Auseinandersetzungen jener Zeit. Dunant erlebte das Leid der verwundeten Soldaten aus nächster Nähe und setzte sich dafür ein, die Versorgung der Verwundeten zu organisieren. Seine erschütternden Eindrücke verarbeitete er in der Schrift „Eine Erinnerung an Solferino“, in der er die Vision neutraler Hilfsgesellschaften für Verwundete in verschiedenen europäischen Ländern formulierte und dass diese durch ein völkerrechtlich vereinbartes Rotkreuzzeichen geschützt werden müssen.
1863 fand die erste Genfer Konferenz statt, auf der die Gründung solcher Hilfsgesellschaften beschlossen wurde. Kurz darauf entstand mit dem württembergischen Sanitätsverein im Königreich Württemberg die erste nationale Rotkreuzgesellschaft weltweit. 1866, einen Monat vor der Schlacht bei Königgrätz, wurde auf Initiative von König Johann der „Internationale Verein zur Pflege im Kriege verwundeter und erkrankter Soldaten für das Königreich Sachsen“ gegründet. 1867 folgte mit dem Albertverein ein Frauenverein. Aus beiden Organisationen entwickelte sich später das Deutsche Rote Kreuz in Sachsen. Es war zwar nicht die erste Rotkreuzgesellschaft in Deutschland, jedoch die erste, die unter dem Zeichen des Roten Kreuzes operativ auf einem Schlachtfeld tätig wurde – erstmals in Böhmen nach der Schlacht bei Königgrätz unter der Leitung von Marie Simon.
Die „Fiaccolata“ wird seit 1992 vom Italienischen Roten Kreuz organisiert. Dabei reist die Fackel durch Deutschland und Österreich nach Italien, bis sie schließlich am 27. Juni Solferino erreicht. Mit der Veranstaltung erinnert das Rote Kreuz an seine Wurzeln und kehrt symbolisch zum Ursprung der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung zurück. Tausende Rotkreuzlerinnen und Rotkreuzler versammeln sich dort jährlich zum gemeinsamen Gedenken.
Weitere Informationen:
Was während des Fackellaufes durch Sachsen passiert, ist online einsehbar. Der Weg nach Solferino wird im Internet und auf den Social-Media-Kanälen des DRK begleitet: https://www.drk.de/newsroom/fiaccolata/
Für weitere Informationen und Anfragen wenden Sie sich bitte an:
DRK Landesverband Sachsen e.V.
Dr. Kai Kranich
E-Mail: k.kranich(at)drksachsen(dot)de
